Guido Westerwelle fehlt. Nicht nur als Politiker, sondern als Mensch. Zehn Jahre nach seinem Tod wird mir immer wieder bewusst, wie sehr er unser Land geprägt hat und wie sehr seine Stimme heute gebraucht würde. Guido Westerwelle war ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Freihei. Für ihn war Freiheit kein Schlagwort, sondern ein Versprechen: an jeden Einzelnen, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht klein machen zu lassen. Viele haben ihn als scharf, als fordernd, als klar in der Sache erlebt. Das war er auch. Aber wer ihn wirklich kannte, wusste: Hinter dieser Klarheit steckte ein zutiefst herzlicher Mensch. Einer, der zuhören konnte. Der Interesse hatte. Der Menschen ernst genommen hat: unabhängig von Herkunft, Lebensweg oder politischer Position. Guido war ein freier Denker im besten Sinne. Einer, der sich nicht angepasst hat, sondern überzeugt war. Der den Mut hatte, Dinge auszusprechen, bevor sie mehrheitsfähig waren. Und genau darin liegt seine besondere Größe: Viele seiner politischen Überzeugungen wirken heute aktueller denn je. Seine Mahnung zu Eigenverantwortung, zu einem starken, aber nicht bevormundenden Staat, zu einer offenen Gesellschaft, zum Wert der Freiheit, das alles klingt heute nicht wie von gestern, sondern wie ein Auftrag für morgen. Er war seiner Zeit in vielem voraus. Und vielleicht haben wir das erst verstanden, als er nicht mehr da war. Was bleibt, ist mehr als Erinnerung. Es ist eine Haltung. Eine Haltung, die uns verpflichtet: Freiheit nicht nur zu verteidigen, sondern sie jeden Tag neu zu denken und zu leben. Und dabei Menschlichkeit nicht zu vergessen. Guido Westerwelle hätte nicht gewollt, dass wir nur zurückblicken. Er hätte gewollt, dass wir weitermachen. Das gilt für uns alle genauso wie für seine Partei, die FDP. Und genau das sollten wir tun. (MASZ)
Wohin geht die Reise für die FDP nach der Wahl in Baden-Württemberg? Das Ausscheiden der FDP aus dem Landtag von Baden-Württemberg ist eine knallharte Niederlage für uns und ein Rückschlag für unseren Prozess des Neuanfangs. Da gibt es nichts schönzureden. Der Landesverband mit seinem Spitzenkandidaten Hans-Ulrich Rülke hat engagiert gekämpft, aber im Duell zwischen Hagel und Özdemir sind wir politisch unter die Räder geraten. Der Wahrheit geschuldet ist, dass unsere Wählerbasis einfach zu schwach ist. Wir müssen uns ehrlich eingestehen, dass von der Bundespolitik zu wenig Rückenwind kam. Die FDP irritiert viele Menschen zu oft und gibt zu selten überzeugende Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Die Menschen erwarten Lösungen und sichtbare Aktionen, nicht nur Reaktionen oder Kritik an dem, was andere machen. Krisenzeiten führen oft zu Polarisierung, Wohlstand hingegen führt zu Liberalismus. Unser Problem ist, dass viele Menschen derzeit nicht mehr glauben, dass liberale Politik genau diesen Wohlstand schafft. Wir müssen die Gesellschaft davon überzeugen, dass Freiheit und Innovation die Grundlage unseres Wohlstands sind. Jetzt heißt es Butter bei die Fische. Dazu gehört das Selbstverständnis, Verantwortung für Wahlergebnisse zu übernehmen. Die FDP muss wieder klar zeigen, wofür sie steht: Lösungen anbieten für Wirtschaft, Sicherheit und Zukunft. Für etwas, nicht gegen etwas.
