Neujahrsempfang der IHK Niedersachsen in besonderer Zeit: Was jetzt gefragt ist
Mit klarem Blick und nicht blauäugig die Weltlage einschätzen: Das ist jetzt gefragt. Der Grönland-Konflikt und Davos, nur wenige Tage nach dem IHK-Auftakt, sollten den letzten Rest Naivität beseitigt haben, sofern sich überhaupt noch jemand Illusionen gemacht hat: Da kommt nichts weniger ins Rutschen als die bisherige, auf Regeln gegründete Weltordnung. IHK-Präsident Gerhard Oppermann beschrieb die hybride Situation, in der sich Deutschland nicht nur angesichts von Drohnenüberflügen, Cyberangriffen und einer realen militärischen Bedrohung befindet, so deutlich: „Unser Frieden ist Vergangenheit.“ Und die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, befand: „Schluss mit der Naivität. Wir müssen wehrfähig werden. Sonst ist die EU 80 Jahre nach ihrer Entstehung Geschichte.“
Und was sich zudem durch den Auftakt zog: Werte als Grundlage. „Grundrechte, freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit – für mich ist und bleibt die Demokratie das Fundament für unsere Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Und muss energisch verteidigt werden: Wann zuvor sah sich ein IHK-Präsident in der Pflicht, das zu Beginn eines Jahres so zu betonen, so deutlich auf die demokratische Grundordnung und die Soziale Marktwirtschaft als Säulen des Zusammenlebens hinzuweisen?
Weiß und schwarz bei Marie-Agnes Strack-Zimmermann: „Entweder man hält sich an das Völkerrecht, oder man lässt es.“ Mit der Botschaft: Wir tun es. Und wollen anderen gegenüber Partner sein, nicht Ausbeuter, machte Strack-Zimmermann mit Blick auf das so wichtige und doch verschobene Mercosur-Abkommen deutlich. Und sie wies auf etwas hin, das wir besitzen, und das ein unschätzbarer Wert ist: „Wir gehen abends schlafen. Und werden nicht bombardiert.“ Sagte sie mit Blick etwa auf die Ukraine.