Pflegereform gefährdet Altenpflege

 Zum geplanten Gesetz zur Reform der Pflegeberufe von Bundesfamilien- sowie Gesundheitsministerium erklärt die stellv. FDP-Bundesvorsitzende Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann:

 

„Das geplante Gesetz zur Reform der Pflegeberufe sieht vor, die bisher getrennten Berufsbilder Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zusammenzulegen, was eindeutig zulasten der Altenpflege gehen würde. Dies ist angesichts eines Mangels an ca. 50.000 Fachkräften in der Pflege nicht vertretbar.

 

Ein hierdurch entstehender Verlust von 52.000 Ausbildungsplätzen ist bei einer Verdopplung der pflegebedürftigen Menschen bis 2050 untragbar. Bundesfamilien- und Gesundheitsministerium forcieren durch ihre geplante Reform eine existenzbedrohende Erweiterung des fortwährenden Pflegenotstands in Deutschland, der mit der Menschenwürde nicht mehr in Einklang zu bringen ist.

 

Der Beruf des Altenpflegers ist ein hochanspruchsvoller Beruf, der nicht in einer „All-inklusive-Ausbildung“ abgehandelt werden kann. Gerade angesichts der steigenden Anzahl pflegebedürftiger Menschen muss die intensive fachliche Ausbildung für Altenpfleger im Interesse unserer Gesellschaft sein, da pflegebedürftige Menschen besondere Betreuung und Zuwendung benötigen. Altenpflege kann deshalb nicht mit klassischer Krankenpflege gleichgesetzt werden, wie die Ministerien es hier fälschlicherweise tun.

 

Ich fordere Ministerin Schwesig und Minister Gröhe nachdrücklich auf, die geplante Zusammenlegung dieser Berufsbilder insbesondere mit Blick auf die Altenpflege umgehend ad acta zu legen und stattdessen für eine verstärkte Ausbildung zu werben sowie mehr Anreize für potentielle Auszubildende zu schaffen.“

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gabriele Keymling (Montag, 07 September 2015 08:42)

    Es ist schade, dass die Zusammenführung der Pflegeberufe inzwischen nur noch isoliert und überwiegend aus der Konkurrenz der drei bestehenden Pflegeberufe heraus diskutiert wird. Nach meiner Überzeugung braucht es für die Pflegeberufe insgesamt eine neue Gliederung. Im Kern geht es um die Frage, was eine "Grundausbildung" leisten kann und soll und welche Spezialisierungen sinnvoll darauf aufsetzen. Die traditionellen akademischen Berufe haben alle zunächst eine generalistische Ausbildung in dem Fachgebiet, bevor sie sich auf Teilgebiete spezialisieren. Auch Sozialpädagogen und Erzieher werden generalistisch ausgebildet, bevor sie sich auf Spezialgebiete der Kinder-, Jugend- und Behindertenarbeit oder andere konzentrieren und entsprechend fortbilden. Im übrigen sind auch die Pflege bezogenen Studiengänge generalistisch auf alle Handlungsfelder der Pflege ausgerichtet.
    Was weiter stets übersehen wird, ist die Tatsache, dass für Generalisten die Fähigkeit zur Transferleistung eine zentrale Voraussetzung ihrer Handlungsfähigkeit ist. Ich halte eine generalistische Pflegeausbildung in diesem Sinne für anspruchsvoller als die derzeit bestehenden. Deshalb ist eine generalistische Ausbildung geeignet, den Pflegeberufen zu neuem Ansehen zu verhelfen, allerdings nur, wenn sie dem Anspruchsniveau in allen Facetten, angefangen mit einem Anheben der Zugangsvoraussetzungen, gerecht würde. Seit Jahrzehnten ist die Rede davon, dass die Pflege in allen Fachgebieten anspruchsvoller geworden ist. Darauf hat die Bundesgesetzgebung 1985 und 2002/2004 mit Anpassungen der Inhalte reagiert, die Zugangsvoraussetzungen jedoch nicht verändert.
    Es ist an der Zeit, sich auch daran zu wagen.
    Der berechtigten Sorge, das könne zu einem Einbruch der Ausbildungszahlen führen, ließe sich entgegenwirken, indem die allgemeine Pflegefachkraft mit einer "echten" generalistischen Ausbildung als vierte Pflegeausbildung eingeführt und alle Pflegeausbildungen bundeseinheitlich auf eine Umlagefinanzierung umgestellt würden. Der Ausbildungsmarkt bzw. die Nachfrage mag dann entscheiden, welche Ausbildungen sich in welchem Umfang durchsetzen.